Stammzelllabor
Der Einsatz hämatopoetischer Stammzellen bei Patienten mit hämato-onkologischen Erkrankungen, wie zum Beispiel Leukämie oder Multiples Myelom, ist heute eine Therapieoption, die in der Behandlung immer früher eingesetzt wird. Die Transplantation ermöglicht erst eine aggressive Hochdosis-Chemotherapie bei den Patienten. Bei dieser Hochdosis-Chemotherapie werden durch die Behandlung nicht nur die Krebszellen, sondern auch die Immunzellen und blutbildenden Zellen angegriffen. Die Stammzelltransplantation dient somit nicht direkt als Krebstherapie, sondern der Behandlung der schweren Nebenwirkungen durch die Chemotherapie. Sie kann in manchen Fällen, wie beim Multiplen Myelom mit den beim Patienten selbst entnommenen Stammzellen (autologe Transplantation) oder wie bei manchen Leukämieformen mit Stammzellen eines gesunden Spenders (allogene Transplantation) durchgeführt werden.
Die Stammzellen werden mittels einer peripheren Blut-Stammzell-(PBSZ-) Apherese gewonnen, können bei der allogenen Transplantation gleich an den Empfänger/Patienten weitergeleitet werden oder bei der autologen Transplantation nach der Entnahme verarbeitet, tiefgefroren und gelagert werden. An all diesen Prozessen der Vorbereitung zur Stammzelltransplantation beteiligt sich der Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes. So bestehen mit verschiedenen Kliniken enge Kooperationen.
Da hämatopoetische Stammzellpräparate Arzneimittel im Sinne des AMG (Arzneimittelgesetz) sind, unterliegt die Gewinnung, Präparation, Lagerung und der Transport strengen Vorschriften, die durch regionale (Regierungen der einzelnen Bundesländer) und Bundes-Aufsichtsbehörden (Paul-Ehrlich-Institut) regelmäßig überprüft werden.
Seit 2001 besitzt der Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes die Herstellungserlaubnis für die Verarbeitung von peripher gewonnenen Blutstammzellen. Durch die Erfahrung und Kompetenz unserer hochqualifizierten Mitarbeiter sind wir in der Lage, die Entnahme, Verarbeitung, Tiefgefrierung, Lagerung und Qualitätskontrolle nach nationalen und internationalen Richtlinien (z.B. AMG, GMP) durchzuführen.
Über 800 Stammzellpräparate wurden inzwischen beim Blutspendedienst des BRK weiterverarbeitet, tiefgefroren und gelagert. Damit übernimmt der BSD eine wichtige Rolle in der Versorgung der hämato-/onkologischen Patienten im Bereich der Stammzelltransplantation.
Von 2003 bis 2005 war die Stammzellabteilung Teil eines vom Bayerischen Gesundheitsministeriums geförderten Forschungsprojektes (STEMMAT) bei dem das Einfrier- und Auftauverhalten von Stammzellen aus dem Nabelschnurblut erforscht und optimiert wurde. Weitere Forschungsprojekte mit universitären und industriellen Partnern im Bereich der Kryokonservierung von Zellen bzw. dem „Tissue Engineering“ werden in der Stammzellabteilung durchgeführt. So ist im Blutspendedienst des BRK eine der großen Banken mit tiefgefrorenen Erythrozytenkonzentraten etabliert, die eine Versorgung mit seltensten Blutgruppenkonstellationen deutschlandweit ermöglicht.
