Spendefähigkeit nach Zeckenschutzimpfung oder Zeckenstich

Ein Beitrag von Luisa Gärtner vom 05.06.2020
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Ein Zeckenbiss (oder wie es offiziell heißt: Zeckenstich) ist in der Regel nicht weiter dramatisch - wäre da nicht das Risiko für Infektionen: In Deutschland und insbesondere Bayern hauptsächlich Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Borreliose wird von Bakterien (sogenannten Borrelien) verursacht und ist die häufigste von Zecken übertragene Krankheit in Europa. Die Übertragung solcher Borrelien dauert meistens mehrere Stunden - je früher die Zecke also entfernt wird, desto geringer ist das Infektionsrisiko. Bei FSME-Viren findet eine mögliche Übertragung sehr viel schneller statt. Wenngleich Bayern vom Robert-Koch-Institut fast flächendeckend zum FSME-Risikogebiet erklärt wurde – tragen nicht alle Zecken per se Krankheitserreger in sich und es kommt auch beim Stich einer infizierten Zecke nicht automatisch zu einer Übertragung.

Nach einem Zeckenbiss besteht eine Wartezeit von 4 Wochen bis zur nächsten Blutspende. In dieser Zeit sollte die Bissstelle beobachtet werden, ob sich eine sogenannte Wanderröte, also ein roter Kreis um die Einstichstelle herum, ausbildet. Für den Fall, dass sich eine solche Wanderröte entwickelt, suchen Sie bitte umgehend Ihren Hausarzt auf. Sollte durch den Hausarzt eine antibiotische Behandlung verordnet werden, besteht wiederum eine Wartezeit von 4 Wochen ab der letzten Einnahme des Antibiotikums. Im Anamnese-Fragebogen wird die Frage nach einem Zeckenbiss nicht explizit gestellt, muss aber im Zusammenhang mit der Frage seitens der Spendeärzte nach Besonderheiten bzw. Krankheitsereignissen angegeben werden.

Nach einer FSME-Impfung besteht keine Wartezeit für das Blutspenden. Bei reizfreier Impfstelle und Wohlbefinden kann man daher schon am Folgetag wieder Blut spenden.


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Luisa Gärtner

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Kommentare

Sepp 11.06.2020, 22:45 Uhr
Ich bin bin etwas verwundert, dass im Fragebogen der Zeckenstich nicht abgefragt wird, obwohl er nun eine 4-wöchige Wartezeit bedingt. Ich kann mich auch nicht erinnern, jemals von einem Spendearzt explizit nach einem Zeckenstich oder sonstigen "Besonderheiten" gefragt worden zu sein. Die (Nach-)Fragen der Ärzte beschränken sich nach meiner Erfahrung auf die mit "Ja" angekreuzten Fragen im Fragebogen. Allenfalls wird noch gefragt "Fühlen Sie sich gesund und fit?" und "Haben Sie genügend getrunken?" Aufgrund der oft sehr langen Inkubationszeit bei einer Borreliose könnte ich mir vorstellen, dass bisher viele innerhalb der 4 Wochen nach einem Zeckenstich zur Spende zugelassen wurden, weil sie sich eben zum Zeitpunkt der Spende (noch) gesund fühlten, obwohl sie evtl. mit Borrelien infiziert waren. Wenn dies tatsächlich eine relevante Gefährdung des Empfängers bedeuten kann, müsste eine entsprechende Frage unbedingt im Fragebogen aufgenommen werden. Zeckenstiche sind ja wohl in Bayern nicht gerade selten. Wahrscheinlich häufiger als z.B. Darmspiegelungen....

Lisa Rudolph 12.06.2020, 10:51 Uhr
Hallo Sepp,
danke für Ihren Kommentar und Ihr Engagement für die Blutspende!
Es gibt keinen Hinweis auf eine Übertragung von Borrelien durch Bluttransfusionen. Bei der Feststellung der Spendereignung wird abgefragt, ob gesundheitliche Besonderheiten aufgetreten sind - darüber, dass Sie die Erfahrung gemacht haben, dass die Frage auf die gegenwärtige Konsitution verkürzt wurde, haben wir die zuständigen Kollegen informiert. Im Falle einer auf einen Zeckenbiss folgenden Wanderröte würde zudem eine antibiotische Behandlung verordnet werden, welche explizit abgefragt wird.
Viele Grüße, Lisa vom BSD

Doro 06.07.2020, 17:25 Uhr
Hallo Lisa, ich bin hier gelandet, weil mich die Wartezeiten nach einer Borreliose-Infektion interessiert haben. Dass es auch nach einem Zeckenbiss ohne Folgen Wartezeiten gibt, ist neu für mich. Bei einer offenen Frage nach Besonderheiten würde ich nicht an den Zeckenbiss von vor drei Wochen denken. So besonders sind Zeckenbisse ja auch wieder nicht, dieses Jahr hatte ich schon mehrere ... Viele Grüße, Doro

Andre 07.07.2020, 08:55 Uhr
Hallo Lisa, auch ich wollte mich informieren, da ich nach einigen Jahren wieder Blut spenden möchte. Ich wohne am Waldrand und habe regelmäßig Zeckenstiche, letztes Jahr fünf, dieses Jahr schon mindestens drei. Meistens bemerke ich die kleinen Biester aber schon vorher, dieses Jahr sind besonders viele unterwegs. Borreliose ließ sich bisher zum Glück noch keine feststellen. Ich bin definitiv der Meinung, diese Frage sollte in den Bogen mit aufgenommen werden oder der Arzt sollte zumindest gezielt danach fragen, wenn es dazu eine einzuhaltende Wartezeit von 4 Wochen gibt. Ich würde mich bei der Blutspende nach 2 Wochen schon nicht mehr sicher erinnern, wann ich den letzten Zeckenstich hatte. Sonnige Grüße aus dem Oberland, Andre

Fabienne Dechert - BSD 07.07.2020, 12:12 Uhr
Hallo Doro, hallo Andre, vielen Dank für Ihre Kommentare! Im Anamnese-Bogen wird auf die gängigsten und risikoreichsten Gesundheitsfragen eingegangen. Da es für eine Übertragung von Borrelien durch Bluttransfusionen keine Hinweise gibt, handelt es sich bei er 4-wöchigen Sperre um ein rein vorsorgliches Vorgehen. Diese Handhabung ist auch durch die Bundesoberbehörde (Paul-Ehrlich-Institut) abgedeckt. Viele Grüße, Fabienne vom BSD

Chris 26.07.2020, 04:05 Uhr
"Da es für eine Übertragung von Borrelien durch Bluttransfusionen keine Hinweise gibt, handelt es sich bei er 4-wöchigen Sperre um ein rein vorsorgliches Vorgehen."....... Und was spricht dagegen, das "vorsorgliche Verhalten" auch konsequent in dem Amnamnese-Bogen zu realisieren? Das Unterlassen kann man wohl als fahrlässige Körperverletzung bezeichnen. Und dabei ist es auch ziemlich irrelevant, von wem die "Handhabung (...) abgedeckt" ist.

Lisa Rudolph 31.07.2020, 12:33 Uhr
Hallo Chris,
danke für Ihren Kommentar und Ihr Engagement für die Blutspende!
Bei der Spenderzulassung orientieren wir uns an bundesweiten Vorgaben, auch der einheitliche Blut- und Plasmaspenderfragebogen unserer Bundesoberbehörde, des Paul-Ehrlich-Instituts, enthält keine Frage nach Zeckenbissen oder Borreliosen. Ihr Hinweis wurde von den zuständigen Kollegen diskutiert, es wurde festgelegt, dass wir uns weiterhin – auch auf dem Fragebogen - auf problematischere Infektionserreger konzentrieren werden, als auf Borrelien, deren Übertragbarkeit durch Blutprodukte nicht nachgewiesen ist. 
Viele Grüße, Lisa vom BSD

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Wolf Frank 18.09.2020, 15:17 Uhr
Ich kann nur den Kopf schütteln mit welchen Begründungen hier seitens Blutspendedienst argumentiert wird. Ich wollte heute eigentlich zum Blutspenden gehen. Dann ist mir zufällig eingefallen, dass ich einen Zeckenstich hatte und wollte nun im Netz schauen ob das Auswirkungen auf das Blutspenden hat. Natürlich kann der Blutspendearzt/-ärztin nicht jedes mögliche Risiko abfragen und gerade deswegen halte auch ich es für notwendig die Frage nach einem Zeckenstich mit aufzunehmen. Insbesondere wenn das ein Ausschlusskriterium darstellt. Wenn ein Zeckenstich ein Ausschlusskriterium darstellt gehört das auf den Fragebogen! Würde mich interessieren ob es noch weitere Umstände gibt bei denen ich nicht Blutspenden darf welche aber nicht auf dem Anamnese-bogen auftauchen oder spielen wirtschaftliche Gesichtspunkte hier eine größere Rolle.

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