ÜberLeben

Trotz der individuellen Krankheitsgeschichten und -verläufe haben sie eines gemeinsam: Dankbarkeit für die Blutspenden, dank derer sie überlebt haben. Blutspendeempfänger aus Bayern teilen hier ihre bewegenden Geschichten mit uns.

 

 

„Es ist, als hätte ich ein zweites Leben bekommen.“ Monika Raab nach ihrer Herztransplantation

Monika Raab empfängt uns zu Kaffee und Kuchen in ihrem malerischen Heimatort in Unterfranken, Dr. Henning Brandes treffen wir auf einem mobilen Blutspendetermin, bei dem er die ärztliche Untersuchung der Spender durchführt. Herzlichkeit und Routine rücken den schweren Weg in den Hintergrund, den die Beiden zurückgelegt haben: Monika Raab und Dr. Henning Brandes sind Organspendeempfänger. Irgendwann konnte ihr Herz einfach nicht mehr. Da hatte Monika Raab aus Üchtelhausen schon 20 Jahre gekämpft – gegen ihr immer größer werdendes Herz. Kardiomyopathie nennt sich die Krankheit, die mit 45 Jahren eine Herztransplantation erforderlich machte. In den ersten Jahren konnten die Ärzte Monika Raab zwar noch helfen, indem sie einen Herzschrittmacher und später einen Defibrillator einsetzten. Doch ihr Zustand verschlechterte sich zunehmend. „Zwei lange Jahre musste ich auf ein Spenderherz warten – dann kam der erlösende Anruf, und dann ging alles ganz schnell.“ Schon am dritten Tag nach ihrer Herztransplantation ging Monika Raab mit kleinen, aber festen Schritten den Krankenhausflur entlang. „Ich konnte so schön gleichmäßig atmen, als hätte ich ein zweites Leben bekommen“, so beschreibt sie ihr Gefühl nach der Herztransplantation. 16&ndsh;Prozent der Blutspenden kommen bei der Behandlung von Herzerkrankungen zum Einsatz.

Auch im Leben von Dr. Henning Brandes haben Blutspenden bzw. Blutpräparate eine bedeutende, lebensrettende Rolle gespielt. Infolge einer Hepatitis-Infektion hatte er eine Leberzirrhose entwickelt, welche wiederum schwere innere Blutungen nach sich zog. Bereits zu diesem Zeitpunkt war Dr. Henning Brandes auf zahlreiche Blutkonserven angewiesen. „Nach dieser Episode bin ich dann auf die Liste der Organspendeempfänger gesetzt worden. Bis ein geeignetes Organ gefunden wurde, hat’s ungefähr zwei bis drei Jahre gedauert“, erinnert er sich. Das Glück über die gefundene Spenderleber und die erfolgreiche Transplantation kam doppelt: Bei der Lebertransplantation wurde eine Voraortathrombose bemerkt, was eigentlich ein Todesurteil darstellt, wenn sie unentdeckt bleibt. Heute ist Dr. Henning Brandes im Dienste der Blutspende tätig und jedem dankbar, der mit seiner Spende anderen Menschen eine Überlebenschance schenkt.

„Ohne Spenderblut ist die Transplantation großer Organe wie Leber, Lunge oder Herz nicht möglich.“ Dr. med. Thomas Weig, Anästhesist am Klinikum Großhadern in München

Auch das perfekteste medizinische Versorgungssystem ist bei schweren Verletzungen und lebensbedrohlichen Krankheiten ohne Blut nicht funktionsfähig. „Ohne Spenderblut ist die Transplantation großer Organe wie Leber, Lunge oder Herz nicht möglich“, erklärt Dr. med. Thomas Weig, Anästhesist am Klinikum Großhadern in München. „Abhängig von der Krankheitsschwere des Patienten benötigen einige Patienten bereits vor der Transplantation Blut, nahezu alle Patienten und auch ein gewisser Teil an Patienten nach der Transplantation. In der gesamten Therapiekette wird Blut benötigt.“

 

Aufgrund einer seltenen Art der Blutarmut benötigt Miriam alle drei Wochen eine Bluttransfusion. Gespendetes Blut ist für Miriam die einzige Überlebenschance.

Miriam kam in der 33. Schwangerschaftswoche zur Welt. Ihre Herztöne waren kaum zu hören. Daraufhin erhielt sie sofort Bluttransfusionen. Zwei Tage nach ihrer Geburt diagnostizierten die Ärzte bei ihr einen Herzfehler. Da sie immer häufiger Bluttransfusionen benötigte, stellten die Ärzte nach weiteren Untersuchungen fest, dass das kleine Mädchen an der seltenen, aber schwerwiegenden Diamond-Blackfan-Anämie (schwere chronische Blutarmut) leidet. Um zu überleben, benötigt sie mittlerweile alle drei Wochen neues Blut.

 

Felix Brunner erhielt nach einem Absturz in den Bergen hunderte Bluttransfusionen. Heute ist Felix Motivationstrainer und Botschafter des Blutspendedienstes des BRK.

Felix Brunner ist 19 Jahre alt, macht eine Ausbildung zum Krankenpfleger und ist als aktiver Bergretter bei der Bergwacht Bayern. In seiner Freizeit ist er fast täglich in den Bergen unterwegs. Doch dann kommt es am 17. Januar 2009 zu einem schweren Unfall, der sein eigenes Leben und das seiner Familie komplett verändert. Auf dem Rückweg von einer Tour in den Tiroler Bergen verliert Felix auf einem Wanderweg den Halt und stürzt dreißig Meter tief in ein Bachbett. Die Ärzte der Intensivstation räumen Felix kaum noch Überlebenschancen ein und bereiten die Eltern auf den Tod ihres Sohnes vor. Seine Verletzungen sind massiv. „Es hieß, dass bisher kein Mensch derartige Verletzungen überlebt hätte und dass wir uns auf das Schlimmste einstellen müssen“, erinnert sich seine Mutter.

Es folgen 13 Monate auf der Intensivstation, davon acht Monate im künstlichen Koma. Felix wurde mehr als 60 Mal operiert. Dabei mussten ihm über 800 Blutkonserven zugeführt werden, um ihn am Leben zu erhalten. Trotz der vielen Komplikationen und der hoffnungslosen Aussichten kämpft sich Felix ins Leben zurück.

 

Georg Kreiter überlebte dank zahlreicher Bluttransfusionen bei der Erstversorgung und den folgenden Operationen einen schweren Motorradunfall. Mit eisernem Willen und hartem Training kämpft Georg Kreiter um sein „neues“ Leben im Rollstuhl – und feiert heute Welterfolge im Monoski!

An den 14. September 2002 hat Georg keine Erinnerung mehr, der Motorradsturz in einem Waldstück ist wie ausgelöscht. Die Folgen des schweren Unfalls jedoch sind heute fester Bestandteil seines Lebens: Georg ist querschnittsgelähmt ab dem fünften Brustwirbel.

Fünf Monate nach dem Unfall, zahlreichen Operationen und bemerkenswerter Willenskraft wird Georg am 14. Februar 2003 aus dem Krankenhaus entlassen. Knappe drei Jahre später – Georg hat seine Ausbildung zum Mediengestalter abgeschlossen und bewältigt seinen Alltag im Rollstuhl mit Bravour – sitzt er zum ersten Mal in einem Monoski und ist begeistert! „Mit professioneller Unterstützung der mehrfachen Paralympic-Siegerin und Weltmeisterin im Monoski, Gerda Pamler, war für mich schnell klar, in welchem Sport meine Zukunft liegt“, sagt Georg heute.

Es folgen die Aufnahme in den Nachwuchskader des DPS (Deutsches Paralympic Skiteam alpin) sowie die Klassifizierungen für nationale und internationale Punkterennen. Den komplizierten Schlüsselbeinbruch im Mai 2009 erwähnt Georg nur kurz. Bedeutender als diese Zwangspause ist der Moment im Oktober 2009, als Georg mit einem neuen Monoski in die kommende Saison startet. Georgs Durchhaltevermögen wird belohnt: 2011 die erste Teilnahme an einer Weltmeisterschaft und schließlich zwei Weltmeistertitel bei der WM im Kanadischen Calgary im vergangenen Jahr.

Georg weiß, wie sinnstiftend und lebensbejahend das Monoskifahren für ihn ist. Dass seine Leidenschaft zum Lebensinhalt werden konnte, verdankt Georg nicht alleine seinem Ehrgeiz. Familie, Freunde und nicht zuletzt die Menschen, die mit ihren Blutspenden zu seiner Rettung und Genesung beigetragen haben, geraten trotz der Erfolge nicht in Vergessenheit: „Euer Einsatz für die Gesellschaft ist echt sportlich. Macht weiter so!“, bedankt sich Georg bei seinen Lebensrettern.

Unser Dank gilt Georg, der seine Geschichte mit uns teilt, und natürlich auch unseren treuen Blutspendern, die mit ihrem Engagement Geschichten wie diese überhaupt möglich machen! Georg werden wir auf seinem Weg zu den Paralympics 2018 in Südkorea begleiten.