Bluttransfusionen früher – warum wir glücklich sein können, dass heute alles anders ist.

Ein Beitrag von Fabienne Dechert vom 10.01.2014
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Vor knapp 200 Jahren haben Forscher erstmals angefangen Blut naturwissenschaftlich zu untersuchen. Aber erst am 14. November 1901 ist es dem Wiener Arzt Karl Landsteiner gelungen die heute bekannten Blutgruppen zu entdecken. Zusammen mit Alexander Salomon Wiener, einem amerikanischen Serologen, entdeckte er 1937 auch das Rhesussystem.

Doch zurück zu den Anfängen der Blutspende-Geschichte: Bluttransfusionen waren früher sowohl für Spender als auch für die Empfänger eine gefährliche Angelegenheit mit oftmals tödlichem Ausgang. So auch die erste bekannte “Bluttransfusion“ im Juli 1492. Damals gaben drei 10-Jährige dem im Sterben liegenden Papst Innozenz VIII. ihr Blut. Dies geschah auf ärztlichen Rat hin und man erhoffte sich eine Verjüngung des Papstes. Das Wort “Bluttransfusion“ habe ich in diesem Fall bewusst in Anführungszeichen gesetzt, denn der Papst hat das Blut getrunken. Die drei Kinder überlebten dieses Experiment nicht. Der Papst blieb genauso krank wie zuvor und verstarb nach kurzer Zeit ebenfalls. Der Wahrheitsgehalt dieser Geschichte ist nicht unumstritten: einige kritische Geschichtsforscher vermuten, dass die Geschichte die jüdischen Ärzte in Verruf bringen sollten und eigentlich gar nicht wahr ist.

Zu der Zeit gab es einfach noch keine erforschte Grundlage für Bluttransfusionen. Erst 1616 wurden die Zusammenhänge des Blutkreislaufes von William Harvey entdeckt und damit die Grundlage für Infusionen und Transfusionen geschaffen. 1823 fand dann die erste erfolgreiche Bluttransfusion von Mensch zu Mensch statt. Diese erfolgte im Guys-Hospital durch den englischen Geburtshelfer James Blundell. Er übertrug damals erfolgreich menschliches Blut auf eine ausgeblutete Wöchnerin. Die erste dokumentierte erfolgreiche Bluttransfusion in Deutschland nahm 1828 der Heilbronner Arzt Georg Klett vor.

Bis ins 19. Jahrhundert verliefen Blutübertragungen leider meist tödlich. Erst mit der Entdeckung der Blutgruppen durch Karl Landsteiner wurde die Bluttransfusion sicherer. Dennoch blieb es ein aufwändiges chirurgisches Verfahren, denn das Blut wurde direkt von einem zum anderen Menschen übertragen. D.h. man musste den Patienten und den Spender nebeneinander legen und dann wurden meistens die Schlagadern verbunden. Damit ließ sich das Problem der Blutgerinnung umgehen, aber man wusste nicht wann der Patient genügend Blut erhalten hatte. Erst nach und nach ging man auf die indirekte Transfusion mittels einer Blutkonserve über. Möglich wurde das 1914 durch den Zusatz von Natriumcitrat, das die Blutgerinnung außerhalb des Körpers verhindert.

  Eine Bluttransfusion im Jahre 1933 mit Hilfe der sogenannten Spritze von Jubé. Mit diesen schlichten Mitteln hat man für die Bluttransfusion zehn Minuten Zeit.

Eine Bluttransfusion im Jahre 1933 mit Hilfe der sogenannten Spritze von Jubé. Mit diesen schlichten Mitteln hat man für die Bluttransfusion zehn Minuten Zeit. In dieser Zeit musste die Vene des Blutspenders mit der des Empfängers verbunden sein und etwa 25 Bewegungen mit der Spritze ausgeführt werden. (Quelle: „Blut: Von der Magie zur Wissenschaft“, P.F.W. Strengers, W.G. van Aken u.a., Spektrum Akademischer Verlag, 1996)

Die Blutspende, wie wir sie heute kennen, gibt es eigentlich erst seit dem zweiten Weltkrieg.

Wie funktioniert die Blutspende heute? Termine in Deiner Nähe finden und es selbst vor Ort anschauen :-) 


Quellen:
Wikipedia
- Buch „Blut: Von der Magie zur Wissenschaft“, P.F.W. Strengers, W.G. van Aken u.a., Spektrum Akademischer Verlag, 1996

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Fabienne Dechert

Seit 2013 beim BSD. Radelt gerne durch München, geht gerne auf Reisen und bloggt hier GEGEN GLEICHGÜLTIGKEIT.

Kommentare

Volkmar Schön 27.06.2020, 14:13 Uhr
Sehr geehrte Frau Dechert, in Ihrem Beitrag heißt es, dass die erste erfolgreiche Bluttransfusion 1818 in Heilbronn erfolgt ist. M. W. erfolgte die erste Transfusion von Mensch zu Mensch 1823 im Guys-Hospital durch den britischen Mediziner James Blundel. Die erste in Deutschland ist dann in der Tat für Heilbronn, allerdings erst für 1828 belegt und zwar durch den Arzt Georg Klett, der war 1818 noch gar nicht fertig ausgebildet. Mit freundlichen Grüßen Volkmar Schön

Fabienne Dechert - BSD 29.06.2020, 09:12 Uhr
Guten Morgen Herr Schön, vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihren richtigen Hinweis - selbstverständlich werde ich den Beitrag dahingehend anpassen. Wie Sie korrekt schreibem, bezichnet man als „Vater der modernen Transfusion“ den englischen Geburtshelfer James Blundell. Dieser übertrug 1825 erfolgreich menschliches Blut auf eine ausgeblutete Wöchnerin. Die erste dokumentierte erfolgreiche Bluttransfusion in DEUTSCHLAND nahm 1828 der Heilbronner Arzt Georg Klett vor. Viele Grüße, Fabienne vom BSD

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